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Preisgekrönt entfachte Richard Flanagans Roman weltweit einhellige Begeisterung: Sein Held ist Dorrigo Evans, ein begabter Chirurg, dem eine glänzende Zukunft bevorsteht. Als der Zweite Weltkrieg auch Australien erreicht, meldet er sich zum Militär. Doch der Krieg macht keine Unterschiede, und während Dorrigo in einem japanischen Gefangenenlager mit seinen Männern gegen Hunger, Cholera und die Grausamkeit des Lagerleiters kämpft, quält ihn die Erinnerung an die Liebe zu der Frau seines Onkels. Bis er einen Brief erhält, der seinem Leben eine endgültige Wendung gibt. Richard Flanagans…mehr

Produktbeschreibung
Preisgekrönt entfachte Richard Flanagans Roman weltweit einhellige Begeisterung: Sein Held ist Dorrigo Evans, ein begabter Chirurg, dem eine glänzende Zukunft bevorsteht. Als der Zweite Weltkrieg auch Australien erreicht, meldet er sich zum Militär. Doch der Krieg macht keine Unterschiede, und während Dorrigo in einem japanischen Gefangenenlager mit seinen Männern gegen Hunger, Cholera und die Grausamkeit des Lagerleiters kämpft, quält ihn die Erinnerung an die Liebe zu der Frau seines Onkels. Bis er einen Brief erhält, der seinem Leben eine endgültige Wendung gibt. Richard Flanagans schmerzvoll poetischer Roman erzählt von den unterschiedlichen Formen der Liebe und des Todes, von Wahrheit, Krieg und der tiefen Erkenntnis eines existentiellen Verlusts.
  • Produktdetails
  • Verlag: (Piper)
  • Seitenzahl: 448
  • Erscheinungstermin: 12. August 2015
  • Deutsch
  • Abmessung: 220mm x 147mm x 41mm
  • Gewicht: 655g
  • ISBN-13: 9783492057080
  • ISBN-10: 349205708X
  • Artikelnr.: 55043837
Autorenporträt
Richard Flanagan wurde 1961 in Tasmanien geboren. Sein Roman »Goulds Buch der Fische«, ausgezeichnet mit dem Commonwealth Prize, machte ihn 2002 weltweit bekannt, seine insgesamt sechs Romane sind seither in 41 Ländern erschienen. Für »Der schmale Pfad durchs Hinterland« erhielt Richard Flanagan den bedeutendsten englischsprachigen Literaturpreis, den Man Booker Prize.

Richard Flanagan wurde 1961 in Tasmanien geboren. Sein Roman »Goulds Buch der Fische«, ausgezeichnet mit dem Commonwealth Prize, machte ihn 2002 weltweit bekannt, seine insgesamt sechs Romane wurden seither in 26 Sprachen übersetzt. Für »Der schmale Pfad durchs Hinterland« erhielt Richard Flanagan den Booker Prize.
Rezensionen
Einmal durch die grüne Hölle und zurück

Eine Eisenbahn von Siam nach Burma: Richard Flanagan erzählt vom Leid australischer Kriegsgefangener im Zweiten Weltkrieg. Für seinen Roman erhielt den Booker-Preis.

Die Schlüsselszene spielt im siamesischen Dschungel, irgendwo im Unwegsamen zwischen Bangkok und Rangun. Dort unternehmen alliierte Kriegsgefangene aus England und Australien den Versuch, die täglichen Erniedrigungen ihrer todgeweihten Existenz durch Theaterspielen zu bekämpfen. Auf einer Bambusbühne werden Sketche aufgeführt, zumeist nachgespielte Szenen aus den populären Filmen, die gerade in den Kinos liefen, bevor die jungen Männer in den Weltkrieg ziehen mussten, "Waterloo Bridge" zum Beispiel, der 1940 herauskam und von einer großen Liebe handelt, die im Ersten Weltkrieg unterging.

Während die Soldaten Vivien Leigh und ihrem Leinwandhelden notdürftig Gestalt verleihen, entspinnt sich ein Disput zwischen dem Lazarettarzt und seinem vorgesetzten Colonel, beide Australier, beide Kriegsgefangene der kaiserlich-japanischen Armee, doch von sehr unterschiedlichem Zuschnitt. Der Colonel kultiviert den Geist des britischen Empire, spricht von Ordnung, Schneid und Disziplin und will der brutalen Demütigung durch die Japaner mit tadelloser Haltung begegnen. Der Arzt dagegen denkt pragmatisch und plant schon mal den Friedhof, um die Opfer der unvorstellbar harten Zwangsarbeit beerdigen zu können. Für Offiziere hat er ein besonders schönes Plätzchen reserviert: mit Blick auf den Fluss Kwai.

Wer jetzt an Alec Guinness denkt und dazu ein flottes Liedchen pfeift, das manchem noch aus einem Fernsehwerbeklassiker für Kräuter-Digestif im Ohr klingt, hat den Filmausschnitt, der hier gegeben wird, erkannt. "Die Brücke am Kwai" gab 1957 alles, was ein Leinwandepos bester Machart bieten kann: Heldentum, Historie, Herzschmerz, große Bilder, packende Musik und nebenbei Verklärung soldatischer Opferbereitschaft und britischer Überlegenheit. Der Film erzählt von der heroischen Arbeit englischer Kriegsgefangener an jener Eisenbahnstrecke durch den Dschungel, "Death Railway" genannt, mit der Japan 1942 aus strategischen Gründen Thailand und Burma verbinden wollte. An die hunderttausend Arbeiter fanden den Tod.

Wenn sich jetzt der australische Autor Richard Flanagan diesem ungeheuerlichen Kriegsverbrechen zuwendet, macht er nicht den Colonel, sondern den Pragmatiker zum Helden. Sein gefeierter Roman, im letzten Jahr mit dem Man-Booker-Preis geehrt und bereits in 34 Sprachen übersetzt, will sich dem gängigen Verwertungsmuster dieses Traumas widersetzen und ein Denkmal für die unbesungenen, weil gänzlich bodenständigen Australier, die ebenfalls zigtausendfach betroffen waren (darunter auch sein Vater), schaffen. Man fragt sich nur, warum er dabei ständig wie besessen auf die Monumente, die er eigentlich vom Sockel stoßen sollte, schielt. Weit verzweigt und episch ausschweifend ist die Romanhandlung; zeitlich reicht sie von den zwanziger bis in die achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts und geographisch von verschlafenen Straßendörfern im abgelegenen Tasmanien über die grüne Hölle des südostasiatischen Dschungelkriegs bis zur zerstörten Großstadtwüste Tokios in der Nachkriegszeit. In vielfach gestaffelten, meist recht kurzen, oft wie abgerissen wirkenden Episoden, die sich immer wieder neu verschlingen und verbinden, folgen wir den Lebenswegen einer ganzen Reihe von Figuren, die in den Wirren eines unbegriffenen Schicksals aufeinandertreffen: als Täter und Opfer, Gebieter und Sklave, Geliebter und Geliebte, als Betrogene, Verkannte und Misshandelte, aber auch als Widerständler, Alltagskämpfer oder ganz schlicht Überlebende und Hinterbliebene. Zentrale Stellung nimmt der Lazarettarzt namens Evans ein, der alles Grauen überlebt, zum australischen Helden aufsteigt und später an den Folgen eines banalen Autounfalls stirbt. Die gesamte albtraumhafte Szenenfolge des Romans ließe sich wie die Erinnerungsfetzen dieses Sterbenden lesen, wenn nicht viele ausgedehnte Szenen - beispielsweise die Kriegsverbrecherprozesse samt Hinrichtungen im besiegten Japan - gänzlich außerhalb seiner Erinnerung liegen müssten.

Solche Unentschiedenheit ist hier Programm, denn Flanagan will alles geben und bietet für sein großes Thema auf, was irgend geht: Folter, Körperqualen und Gewalt, Männertreue unter echten Kameraden, Machtintrigen unter alten Seilschaften, eine leidenschaftlich wilde Liebe (mit der jungen Ehefrau seines Onkels verbringt Evans einen heißen Sommer, bevor er sich in den Krieg flüchtet), Ehetrübsal, Überdrussaffären, Schicksalsaugenblicke, Explosionen und zum Ende eine veritable Feuersbrunst (so dass Evans in einer filmreifen Actionsequenz doch noch Familiensinn beweisen darf). Aber in der schieren Anhäufung verpuffen die Effekte und wirken nur noch wie der Notbehelf eines Erzählers, der seinen eigentlichen Möglichkeiten nicht mehr traut.

Das hätte dieser Autor überhaupt nicht nötig. Seit "Goulds Buch der Fische" 2001 seinen internationalen Durchbruch brachte, ist Flanagan als ebenso sprachmächtiger wie listen- und erfindungsreicher Geschichtenkonstrukteur bekannt, der Sinn für packende Figuren und Begebenheiten wunderbar mit Sinn für labyrinthische Erzählweisen vereint. Auch in "Der schmale Pfad ins Hinterland" finden sich sehr eindringliche Passagen, verträumte Genrebilder aus dem hitzeflirrenden Tasmanien ebenso wie abgründige Dschungelszenen aus dem Herz der Finsternis, die dem erklärten Vorbild Joseph Conrad in nichts nachstehen. Manche Vorkommnisse - wie die Beinamputation, die Evans im Gefangenenlager ohne das erforderliche Instrumentarium vornehmen muss - werden mit solcher Drastik auserzählt, dass nur hartgesottene Leser sie ohne Digestif verkraften dürften.

Doch das bleibt alles Episode. Stattdessen dominiert ein Hang zum Sentenziösen - Sätze wie "Warum ist am Anfang immer das Licht?" oder "Ein glücklicher Mann hat keine Vergangenheit, ein unglücklicher Mann hat nichts anderes" oder "Hier wurde eine künftige Erinnerung kreiert, die sich schloss, um wieder auseinandergerissen zu werden" verbrämen nur Bedeutungslosigkeit mit großen Worten. Überhaupt versucht der Roman viel zu angestrengt, seine verschlungenen Erzählstränge in einem literarischen Zitierkartell zu bündeln. Das beginnt beim Titel (Zitat des japanischen Meisters Basho, wie uns Unkundigen mehrfach erklärt wird), geht mit allerhand Haikus und Celan-Phrasen als Epigraphen weiter und findet auf der Handlungsebene ständig Fortsetzung, da alle wesentlichen Kriegsteilnehmer, Japaner wie Australier, zum Glück Lyrikfreunde sind und zu jedem Anlass ein paar passende Zeilen beisteuern können. Evans liebt vor allem Tennyson und schmückt mit Versen dieses viktorianischen Klassikers seinen außerehelichen Beischlaf ebenso wie das Grauen der Todeseisenbahn. So ordnet sich Flanagans australisches Epos immer wieder etablierten Sinn- und Redemustern unter, die er doch eigentlich durchbrechen wollte.

Und so verliert auch die genannte Schlüsselreferenz auf "Die Brücke am Kwai" unweigerlich ihren kritischen Gestus und erscheint vielmehr als Fingerzeig auf Kommendes: Dieses Buch will dringend Kino werden; bis dahin leihen die Romanfiguren künftigen Filmhelden schon mal notdürftig Gestalt. Man muss es bedauern.

TOBIAS DÖRING

Richard Flanagan: "Der schmale Pfad durchs Hinterland". Roman.

Aus dem australischen Englisch von Eva Bonné. Piper Verlag, München 2015. 438 S., geb., 24,- [Euro].

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»Das Buch wirkt wie ein riesiges Gemälde der menschlichen Abgründe.«, Luxemburger Tageblatt, 25.03.2016